Erholung für Mütter dank Mutter-Kind-Kur

Ein Interview mit Frau Sackmann, ärztliche Leiterin in der Mutter-Kind-Kur gibt uns interessante Einblicke.

Eingebettet zwischen Ostsee und der Halbinsel Dänischer Wohld, bietet die Mutter-Kind-Klinik Schwedeneck ideale Voraussetzungen für eine Erholung vom Alltag. Hier können Mütter mit psychosomatischen Beschwerden, wie z. B. Erschöpfungssyndromen, oder chronischen Erkrankungen eine Auszeit nehmen, neue Kraft tanken und gestärkt zurück in den Alltag gehen. Viele merken erst dort, wie ausgelaugt sie sind.

Als die Fachärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapeutin Frau Sackmann vor 20 Jahren in der Mutter-Kind-Klinik Schwedeneck ankam, hätte sie nie gedacht, dass sie nach zwei Jahrzehnten noch immer diese Freude empfinden würde, die sie bei ihrer Ankunft empfand. Seitdem hat sich viel geändert. Wir haben Sie dazu und Ihrer Arbeit befragt.

Frau Sackmann, Sie sind ärztliche Leiterin in der Mutter-Kind-Klinik Schwedeneck und arbeiten bereits 20 Jahre in der präventiven Familien-Medizin. Macht Ihnen der Beruf Spaß?

Ja, natürlich. Es gibt kaum etwas Sinnvolleres in der Medizin, als vorbeugend zu handeln. Junge Familien zu stärken ist ein sehr umfassender Ansatz, denn damit tun wir etwas für die seelische, für die körperliche und für die soziale Gesundheit in mehreren Generationen! Darüber hinaus ist es immer berührend zu sehen, wie gestärkt die Familien aus dieser Kur herausgehen.

Ich habe außerdem hier die Möglichkeit, wirklich familien-psychosomatisch zu arbeiten. Ich kann zu Krankheiten und Gesundheitsrisiken beraten und schulen und habe dafür viel mehr Zeit als in der Akutmedizin, gleichzeitig beschäftige ich mich aber auch mit den akuten Erkrankungen von Groß und Klein wie in einer Allgemeinpraxis oder kinderärztlichen Praxis. Für die ärztliche Leitung kommen natürlich noch viel andere Aufgaben dazu, zum Beispiel aus dem Bereich Hygiene oder Qualitätsmanagement, aber auch das macht mir Spaß.

Wie schaffen Sie es, bei so vielen Aufgaben oder sagen wir Herausforderungen den Überblick zu behalten?

Wir sind einfach ein tolles Team. Die Kooperation zwischen den Abteilungen ist die Basis meiner Arbeit. Wir bemühen uns sehr um eine wertschätzende Kommunikation zwischen den verschiedenen Berufsgruppen, treffen uns wöchentlich zu abteilungsübergreifenden Meetings und zu Fallbesprechungen und natürlich macht es mehr Spaß, morgens zur Arbeit zu gehen, wenn man dort großartige Kolleginnen trifft! Die Abteilungsleitungen helfen mir sehr dabei den Überblick zu wahren – und natürlich habe ich eine lange Routine.

Wie empfinden Sie "Ihre" Patientinnen? Haben Sie das Gefühl, dass Sie etwas bewirken?

Die sehr überwiegende Zahl unserer Patientinnen kommt motiviert zur Kur, freut sich über die Angebote und unser Konzept, kann sie gut nutzen und reist oft sehr dankbar wieder ab, weil sie sich zutrauen, das Erlernte auch zuhause weiterzuführen, Zeit für sich zu nehmen, Entspannungsübungen oder Gymnastik zu machen, Spaziergänge zu unternehmen und die Lösungsansätze im Zusammenleben mit ihren Kindern anzuwenden. Die meisten unserer Patientinnen gewinnen wieder mehr Vertrauen in ihre seelische und körperliche Gesundheit: Das ist auch für uns Therapeutinnen ein wichtiger Zufriedenheitsfaktor.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Aus meiner Sicht wäre mehr Wissenschaft für unsere Branche wichtig. Bezüglich der Prävention psychischer Erkrankungen haben wir viel Erfahrung, aber wenig wissenschaftliche Daten, besonders aber zur Eltern-Kind-Maßnahmen. Die letzten Studien zur Wirkung und Nachhaltigkeit stammen aus den 1990er Jahren. Diese waren allerdings vielversprechend. Wir arbeiten auf der Grundlage von riesigen Erfahrungsschätzen, aber es wäre natürlich auch wichtig, diese auch mit Zahlen abzusichern. Dann wüssten wir noch besser, wem was genau hilft.

Ein anderer Wunsch wäre die diagnose-unabhängige Prävention. Im Sozialgesetzbuch ist die medizinische Prävention unabhängig von bestehenden Erkrankungen festgeschrieben. Manche Kostenträger gehen dazu über, bereits bestehende Erkrankungen als Grundlage für die Genehmigung festzuschreiben. Das geht aus meiner Sicht in die ganz falsche Richtung: Prävention soll erfolgen bevor jemand krank wird!

Gibt es bestimmte Ziele, die Sie sich für Mütter und deren Kinder wünschen? Sie sehen ja in Ihrer täglichen Arbeit, woran es oft hapert.

Nach 20 Jahren Arbeit mit jungen Familien stelle ich fest, dass die Gesellschaft immer noch keine guten Bedingungen für junge Familien schafft. Mütter werden motiviert, frühzeitig wieder in den Beruf zu gehen. Oft ist die wirtschaftliche Situation in Familien auch so, dass sich gar nicht die Frage stellt, welches Elternteil wie lange bei den Kindern bleiben möchte, sondern beide müssen zügig wieder arbeiten. Mein Ziel wäre, dass Familien sich wirklich nach den Bedürfnissen aller Beteiligten richten könnten. Und dass Frauen es vielleicht öfter schaffen, bewusst JA oder NEIN zu Anforderungen zu sagen.

Meinen Sie, wenn Frauen es vielleicht öfter schaffen, JA oder NEIN zu Anforderungen zu sagen, dass dann Mutter/Vater & Kind-Kliniken nicht mehr notwendig wären?

Wenn Familien genug Zeit hätten, für ihre Gesundheit zu sorgen, wenn alle schon frühzeitig lernen würden, Pausen zu machen und sich zu entspannen, wenn Schulsport so wäre, dass mehr Menschen ihr Leben lang Lust hätten, sich regelmäßig zu bewegen, wenn gesunde Lebensmittel bezahlbar und ungesunde teuer wären, wenn Arbeitsorganisation in Betrieben flexibler wäre, wenn alle Leitungspersonen wertschätzend mit ihren Mitarbeitenden umgingen, wenn alle Zeit hätten, ihre Freundschaften zu pflegen, sich musisch, kreativ oder handwerklich zu betätigen, Bäumen beim Wachsen zusehen könnten, wenn wir außerdem alle achtsam kommunizieren würden, uns unserer Grenzen bewusst wären… dann bräuchten wir solche Einrichtungen wie unsere vielleicht nicht mehr ganz so oft. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg!