Keine Angst vor Zecken!

Immer wieder - vor allem in der Sommerzeit ein heißes Thema: Zecken und wie damit umzugehen ist...

Die biologisch korrekte Bezeichnung passt hier mal sehr gut: „gemeiner Holzbock“ (Ixodes ricinus) ist der biologische Name für die Zecke, die sich wirklich manchmal gemein verhält und die uns im Sommer durch ihre Stiche plagt und vielen Familien Sorgen bereitet.
Zecken sitzen im Gras, auf Farnwedeln oder flachen Büschen und warten geduldig auf dort zufällig vorbeispazierende Wirtsorganismen – zum Beispiel den Menschen. An diesem klammern sie sich schnell fest, notfalls auch an der Kleidung und suchen sich dann in Ruhe ein warmes Plätzchen auf dünner gut durchbluteter Haut, z. B. in den Kniebeugen oder am Haaransatz. Dort stechen sie dann zu und saugen sich mit Blut voll. Irgendwann haben sie genug, lassen sich wieder fallen und kümmern sich erst einmal um ihre Vermehrung.
Eigentlich ist ein Zeckenstich nicht weiter tragisch, bestünde da nicht das Risiko für mitgebrachte Infektionen. Gefürchtet sind, neben normalen Wundkeimen, vor allem die Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Zecken sind zum Teil mit diesen Krankheitserregern infiziert und können beim Stich Viren oder Bakterien an die Gestochenen übertragen.
Laut dem Robert Koch-Institut tragen 5 bis 35 % der Zecken Borrelien in sich, die theoretisch zu der gefürchteten Lyme-Erkrankung führen können. Hier bei uns in Norddeutschland liegen die Zahlen erfreulicherweise deutlich unter dem Bundesschnitt.
In Deutschland werden bei ca. 2-6 % der Menschen, die gestochen wurden, Borrelien übertragen. Meist schafft es das Immunsystem in diesem Fall aber selbst, sich dagegen zu wehren und nur bei 0,3-1,4 % treten laut Robert-Koch-Institut Krankheitssymptome auf. In den meisten Fällen kommt es zu Hauterscheinungen, die die meisten Betroffenen in ärztliche Behandlung führen und dann auch gut behandelbar sind.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) kommt in Schleswig-Holstein nicht vor - in Süddeutschland und anderen Bereichen Europas empfiehlt man jedoch eine Impfung gegen diese Viruserkrankung.

Was tun, um gar nicht erst ein Risiko einzugehen?
Drinnen bleiben ist keine gute Idee, denn die Vorteile des Spielens in der freien Natur überwiegen ganz klar die Gefahr durch zeckenbedingte Erkrankungen.
Sogenannte Repellentien also Insektenabschreckungsmittel wirken teilweise auch gegen Zecken, allerdings nicht sehr lange, so dass sie regelmäßig erneut aufgetragen werden müssen, möglichst auch auf die Kleidung. In Internetforen kursieren Tipps für aromatische Öle wie Schwarzkümmelöl oder Kokosöl. Wissenschaftlich kann man aber nicht klar sagen, ob das wirkt. Lange Hosen und Schuhe schützen ebenfalls- aber beides bietet keine hundertprozentige Sicherheit.
Nach dem Spielen im Gras sollte man Kinder (und Erwachsene) einmal sorgfältig „besichtigen“ und gefundene Zecken zügig entfernen. Günstig zur Vorbeugung von Borrelieninfektionen ist eine Entfernung innerhalb von 12 Stunden. Daher ist es immer eine gute Idee, vor dem Schlafengehen noch einmal nachzusehen. Wir helfen Ihnen auch gerne bei der Entfernung der Tierchen.

Es kursieren immer noch merkwürdige Tipps zur Entfernung von Zecken, dabei ist lange bekannt: Entfernen ohne zu quetschen! Das funktioniert mit schmalen Pinzetten, die unter dem Leib des Tiers angesetzt werden, mit speziellen Kärtchen, Drahtösen oder kleinen Kuhfüßchen, die extra zu diesem Zweck angeboten werden. In den folgenden Tagen sollte die Stichstelle einmal täglich kontrolliert werden, um eine evt. Infektion nicht zu übersehen. Die sogenannte Wanderröte, das Erythema migrans, übersieht man selten, wenn man drauf achtet. Wenn Sie unsicher sind, ist eine ärztliche Mitbeurteilung zu empfehlen.
Zurückgebliebene Beinchen bieten die Möglichkeit für „normale“ Wundinfektionen und sollten daher vermieden werden, jedoch besteht nach Entfernung des Rumpfes kein Borrelieninfektionsrisiko mehr.

Zusammenfassend können wir sagen: kein Anlass zur Sorge, aber zur Umsicht.
Auch hier spielt der Klimawandel mit hinein, denn Zecken bleiben bei über 8 Grad aktiv. In den letzten Jahren war aufgrund der warmen Winter die Zecken-Saison deutlich verlängert und die Bisse vermehrt. Gehen Sie trotzdem hinaus in die Natur – denn das ist eines der gesündesten Dinge, die man tun kann!

Viel Spaß dabei wünschen die Ärztinnen und Schwestern der medizinischen Abteilung!


Quellen: Robert-Koch-Institut, Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung