Leibeslust – Lebenslust®

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Zu dünne Kinder, zu dicke Kinder, besorgte Eltern, genervte Eltern, Schwiegereltern, die alles besser wissen…
Das Thema Essen stellt in Familien oft einen besonderen Stress dar.

Ernährungsfachleute sprechen vom „Stresstisch“ in der Familie. Oft geht es gar nicht mehr darum, sich als Familie beim Essen zu treffen, oder sich darüber auszutauschen, was gut schmeckt, sondern vor allem darum, wer was essen sollte oder wer was nicht mag. Es entsteht nicht selten Streit und oft ist eine große psychische Anspannung bei Müttern die Folge; im schlimmsten Falle können so auch Essstörungen bei Kindern entstehen.

In der Klinik Schwedeneck arbeiten wir seit Jahren sehr erfolgreich nach dem Konzept Leibeslust – Lebenslust®, einem Programm zur Prävention von Essstörungen in der Familie. Dieses Konzept wurde von der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e.V. und der DGE, Sektion Schleswig-Holstein mit einer freiberuflich tätigen Ökotrophologin entwickelt und hat sich als hoch wirksam erwiesen. Mit diesem Konzept gelingt es sehr gut, Stress in Familien zu reduzieren und langfristig Essstörungen zu vermeiden. Es wurde wissenschaftlich entwickelt und begleitet und hat sich auch in der langjährigen Anwendung hier im Hause immer wieder sehr gut bewährt. Es fußt, wie mehrere vergleichbare und ähnlich erfolgreiche Modelle, auf dem Angebots-Entscheidungsmodell. Kinder müssen lernen, Ess-Entscheidungen zu fällen, um später in unserer modernen Welt mit einem Überangebot an preiswerten und leckeren Lebensmitteln vernünftige Kauf-Entscheidungen treffen zu können. Aber auch Eltern müssen lernen: nämlich, sich auf ihre Rolle zu beschränken und darauf zu vertrauen, dass ihre Kinder lernen werden, sich zu entscheiden. Vor allem müssen Eltern oft lernen zu akzeptieren, dass Kinder sich manchmal anders entscheiden, als Eltern richtig finden. Und Eltern müssen üben, ein gutes Vorbild zu sein. Spätestens wenn ein Kind alt genug ist, in den Mülleimer zu schauen , wirkt es nicht mehr überzeugend, den Kindern Gemüsesticks vorzusetzen, und abends erschöpft Chipstüten leer zu futtern.

Im Leibeslust-Modell sind die Erwachsenen dafür zuständig, das Essens-Angebot in der Familie zu gestalten. Sie berücksichtigen dabei ihr Portemonnaie, ihr Zeitbudget, alles was sie über Ernährung wissen und die Vorlieben aller Familienmitglieder. Erwachsene legen außerdem die Regeln fest, wann und wo gegessen wird, wer wie lange bei Tisch sitzen bleiben muss oder wie die Rituale vor und nach der Mahlzeit ablaufen sollen. Und die Kinder entscheiden: was von dem Angebot nehmen sie an, was lehnen sie ab. Sie müssen nichts essen, was sie nicht mögen, haben aber auch kein Anrecht auf „Wunschkost“.

Mit diesen Grundregeln bekommt man fast jeden Konflikt ums Essen entschärft.
Oft ist es dazu noch hilfreich, sich darüber zu informieren, was Kinder in welcher Phase der Entwicklung brauchen. Sich informieren hilft, schont Nerven und Budget. Immer wieder sind Mütter erstaunt darüber, wie unnötig und wenig sinnvoll die sogenannten Kinderlebensmittel sind. Auch die Sorge um Vitaminmangel ist fast immer unbegründet und es kann zu einer Riesen-Erleichterung führen, das einmal mit einer Fachfrau zu besprechen. Sich mit anderen Müttern darüber auszutauschen, wie es in deren Familien läuft, kann die eigene Besorgnis relativieren. Und es gibt viele Tricks, um in Familien weniger Stress ums Essen zu haben.

Sehr bewährt hat sich zum Beispiel die Familien-Wunschliste: alle Familienmitglieder dürfen drei Lieblingsessen nennen, die gesammelt werden. Der Koch/die Köchin in der Familie bereitet diese dann zu, kann aber nach Zeit- und Geldbudget entscheiden, wann welches Gericht. Damit sind alle Diskussionen wie „wir essen euretwegen nur noch Nudeln“ oder „immer gibt es Gemüse“ vermieden und es geht wieder mehr darum, was gut schmeckt.

Mindestens ebenso wichtig wie das Reden über Ernährung ist die Bewegung. Grade sehr erschöpfte Eltern haben manchmal kaum noch Kraft, um ihren Kindern ein gutes Vorbild im Hinblick auf körperliche Aktivität zu sein, aber das gehört zur Leibeslust und zur Lebenslust ebenso dazu. In der Klinik Schwedeneck sind daher spielerische Sport und Bewegungsangebote ebenso in das Leibeslust–Lebenslust-Projekt integriert wie die Schulungen und Beratungen.